Geschichtliches

In Bamberg wurde 1868 der «Allgemeine CäcilienVerein für katholische Kirchenmusik» gegründet. Im Zuge dieser die deutschsprachigen Länder umfassenden Bewegung kam es am 7. November 1872 in Frauenfeld zur Gründung des «Katholischen Kirchenmusikverbandes Thurgau», damals noch «Thurgauischer Cäcilienverein» genannt. In jenen Jahren wurden zahlreiche Kirchenchöre und weitere Kirchenmusikverbände ins Leben gerufen.

Vor dem Hintergrund einer allgemeinen Verweltlichung religiösen Lebens reagierte der Cäcilianismus auf die Profanierung der Kirchenmusik und die «Entartung» der kirchenmusikalischen Praxis. Es muss gang und gäbe gewesen sein, dass Operetten und Opernmelodien und andere weltliche Musik mit all ihrer Theatralik und ihren leidenschaftlichen Affekten Einzug in den Gottesdienst gehalten haben. Die Gründer der cäcilianischen Bewegung beschäftigten sich, unterstützt durch die Kirchenobrigkeit, mit der Wiederherstellung einer eng an die Liturgie gebundenen «wahren, echten Kirchenmusik». Dabei war die Unantastbarkeit der liturgischen Texte ohne Kürzungen oder ungerechtfertigten Textwiederholungen oberstes Gebot.

Obwohl die Grundidee berechtigt und sicher auch notwendig geworden war, erstarrte sie mit der Zeit in allzu strengen Dogmen. Die verordnete Bindung an den Kultus liess kaum Freiraum für ein autonomes künstlerisches Wirken. Es überrascht daher wenig, dass die wirklich grossen Komponisten jener Zeit wie Wagner, Bruckner oder Liszt der Reformidee nur einen kleinen kompositorischen Ausdruck gaben.

Bis hin zum Zweiten Vatikanischen Konzil erfolgte dann aber eine zunehmende Öffnung gegenüber allen künstlerischen Formen der Kirchenmusik. Bis schliesslich das Konzil selber die Ausrichtung von Liturgie und Kirchenmusik neu definierte.

Heutige Zeit

Gestützt auf die Liturgieverordnung und die damit verbundenen Neuerungen ergaben sich auch für die Kirchenmusikverbände neue Aufgaben und Herausforderungen. So wurde es zum Beispiel wichtig, die versammelte Gemeinde aktiv ins gottesdienstliche Geschehen einzubeziehen oder deutschsprachige Kompositionen zu schaffen und zu verbreiten.

Im Gegensatz zu den Gründern bemüht man sich heute vermehrt, verschiedene Sparten der Kirchenmusik, von der Gregorianik über instrumental begleiteter oder a cappella gesungener Kirchenmusik aus verschiedenen Epochen bis hin zu Gospelsongs und Liedern aus dem «rise up» zu pflegen.

Ganz aktuell setzt sich der «Katholische Kirchenmusikverband Thurgau» für die Schaffung von Kirchenmusikstellen ein, an denen ein Kirchemusiker oder eine Kirchenmusikerin den gesamten musikalischen Bereich und alle Altersgruppen in der Gemeinde betreut.

Roberto Alfarè (2009)