Liturgisches Orgelspiel und Improvisation. Als ich nach der Mittagspause vor der Kirche St. Martin in Arbon stehe, kommt mir bei strahlendem Sonnenschein eine angeregt diskutierende Gruppe von Kursteilnehmern entgegen.

An der dreimanualigen Kuhn-Orgel von 1933 mit 44 Registern wird die Arbeit gleich wieder aufgenommen: "Partita - Variationsmöglichkeiten unter Verwendung des Orgelbuchsatzes".

Dieter Hubov kommt mir vor wie ein Zauberer, der seine Tricks verrät. Da liegt ein einfacher vierstimmiger Satz vor - mit einigen Veränderungen wird dieser zur abwechslungsreichen Partita erweitert. Zuerst spielt er eine Variation vor, dann demonstriert er mit einem Kursteilnehmer, wie sich das Schema aufbauen und einüben lässt.

In diesem Kurs gibt es keine Fertigprodukte, sondern Rezepte für Variationen, die Mann oder Frau, der/die Orgel spielt, zuhause nachmachen können. Wer diese Rezepte beherzigt und beherrschen lernt, kann mit Hilfe des Orgelbuches und der eigenen Fantasie einen ganzen Gottesdienst abwechslungsreich gestalten.

Die Kursteilnehmer - Profis und Amateure - erhalten Anregungen und Aufgaben für verschiedene Niveaus. Als Beispiel: Vorlage ist der Satz zu KG 729; zur Basslinie des Orgelsatzes spielt die rechte Hand nacheinander in Triolen die Töne von S, A und T - das lässt sich relativ leicht und spontan umsetzen; anspruchsvoller wird es bei KG 184; Quintolen in der linken Hand laufen neben dem c.f. in der rechten Hand, das Pedal gibt harmonische Impulse.

Versehen mit Kursmaterial und der Neugierde, ob sich das wohl auch ohne die geduldige Hilfe des Kursleiters umsetzen lässt, verabschiedet man sich nach rund fünf Stunden intensiver Arbeit - (der Kurs begann bereit am Morgen um 9.30 h und dauerte bis 16.00 h). Zu hoffen ist, dass der Kurs in zwei Jahren wieder angeboten wird, damit noch viele Thurgauer Organisten und Organistinnen davon profitieren können.

Béa Mory, Frauenfeld