Bericht über den ersten Kurs des KKVT zur Einführung von Vorsängern und Vorsängerinnen im Katholischen Gottesdienst.

Kursteilnehmer - Wir überlegten, wer wohl Interesse an diesem Kurs haben könnte und schrieben ihn aus für

  • Laien, die als Vorsänger in Gottesdiensten wirken sollen und von einer Pfarrei oder einem Chorleiter/Kirchenmusiker empfohlen werden.
  • Theologen/Theologinnen, Seelsorgerinnen/Seelsorger aus Thurgauer Pfarreien
  • Weitere interessierte Sängerinnen/Sänger nach Absprache mit der Kursleitung

Aufbau - Das Ziel ist, möglichst viel Zeit zum Singen zu nutzen. Darum beginnen wir jeweils mit einem gemeinsamen Morgenlob in einer Kapelle und arbeiten anschliessend in einem Theorieraum weiter.

  • 8 Kurseinheiten am Samstag Vormittag von 8.30 - 11.30 Uhr
  • Liturgische und musikalische Grundlagen des Kantorendienstes, Literaturkunde
  • Praktische Umsetzung, musikalische, sprach- und stimmtechnische Gestaltung der Gesänge

Kursleitung - Dieter Hubov, Arbon und Béa Mory, Frauenfeld
Beim ersten Treffen in Arbon wissen wir nicht, ob die fünf angemeldeten Personen (zwei Männer, drei Frauen) bereits Erfahrung im Psalmodieren haben und werfen sie bei der Laudes einfach ins Wasser bzw. in die Psalmtöne. Wir staunen, wie gut sie mitmachen. Eine Chorleiterin hat bereits eine Kirchenmusikausbildung absolviert, ein Kursteilnehmer geht regelmässig zur Dom-Vesper nach St. Gallen, die andern hängen sich an und singen bald kräftig mit. Dann wechseln wir den Raum und wenden uns der Musiktheorie zu. Dieter Hubov prüft die musikalischen Vorkenntnisse der Einzelnen, es ist nicht gerade das Lieblingsthema der Kursteilnehmer, aber der Kursleiter betont, dass die Kantorin bzw. der Kantor möglichst selbständig Melodien erarbeiten und anstimmen können soll. Nach einer Kaffeepause mit angeregten Gesprächen üben wir Kyrie-Rufe aus dem KG.

Bei unserem zweiten Treffen singen wir eine Laudes aus dem KG. Da die Leitverse und die Psalmen nicht auf derselben Seite stehen, muss immer wieder geblättert werden, was eine zusätzliche Schwierigkeit darstellt. Die Psalmen sind diesmal vorwiegend im II. Ton; einige haben mit den Kadenzen ihre liebe Mühe, aber es geht ja gerade darum, Vertrautheit aufzubauen.

Es folgt eine Einführung in die Psalmen und Cantica, die Tagzeiten und den Platz im sonntäglichen Gottesdienst. Nach der Kaffeepause fassen alle Material: Stimmgabel, Cantionale (CN) und den Ordner zum Kantorenkurs. Wir singen verschiedene Stücke aus dem CN an. Zuerst gemeinsam, dann einzeln und machen erste Gestaltungsversuche im Sprechen und Singen. Die Gesänge aus dem CN haben eine ganz eigene Klangwelt und sind für die Verkündigung des Antwortgesangs in der sonntäglichen Messe gedacht. Sie erschliessen sich für den/die Vortragende(n) und die Zuhörer erst, wenn sie intensiv vorbereitet wurden; für das meditative Stundengebet sind sie zu kompliziert (wie wir in einer übungshalber mit Gesängen aus dem CN gestalteten Laudes selber erfahren).

Als Hausaufgabe haben die Teilnehmer Teile der nächste Laudes aus dem KG vorbereitet. Die Übergänge von der Antiphon zum eigentlichen Psalm sind oft tückisch. Musikalische Vorkenntnisse (Notenlesen, Tonarten, Intervalle...) sind für einen Kantor und eine Kantorin von Vorteil. Wer von einem Kirchenmusiker betreut und eingesetzt wird, hat bei der Vorbereitung und Planung einen kompetenten Helfer. Wer die Kompetenz zum selbständigen Vorbereiten erwerben möchte, besucht mit Vorteil zusätzlich einen Lehrgang in Kirchenmusik in Luzern oder St. Gallen.

Neben den Psalmen beschäftigen wir uns mit V/A gekennzeichneten (Vorsänger/Alle) Ordinariums- und Propriumsgesängen aus dem KG: Rufe zum Evangelium für die Festtage, tropierte Kyriegesänge, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei. Alle Teilnehmer suchen sich aus dem KG einen vollständigen Ablauf einer einfachen Messe heraus und tragen sie vor; einzelne Teile daraus singen sie sogar mit Mikro in der Kirche.

Für weiteres Material - Psalmen aus dem Freiburger Kantorenbuch und weitere Psalmvertonungen, das Antiphonale etc. fehlt uns leider die Zeit. Wir können nur darauf hinweisen und hoffen, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich weiter für das Thema interessieren und durch ihre Kirchenmusiker und die Liturgieverantwortlichen in ihrer Gemeinde auch gefördert werden.

In der Ostschweiz ist es üblich nur eine Lesung zu wählen. Zwischen Lesung und Evangelium wird ein mehr oder weniger passendes Lied eingefügt; das ist schade. Die Psalmen sind wunderbare lebensnahe Texte; sie werden seit über 2000 Jahren gesungen. Ich würde mir wünschen, dass die vier Texte im Wortteil der Messe wie vier verschiedene kostbare Gefässe mit nährendem Inhalt ohne einleitende Erklärungen dargeboten werden. Sie wirken durch den gestalteten Vortrag (gelesen oder gesungen) selbständig auf die Zuhörer.

Wir treffen uns zur Abwechslung auch in den Heimatkirchen der Kursteilnehmer. Einerseits, damit die Auswärtigen nicht jedes Mal nach Arbon reisen müssen, andererseits um auch andere Kirchen zu sehen.

Mit Dr. Bruno Strassmann von der Kirchlichen Erwachsenenbildung des Kantons Thurgau dürfen wir einen Morgen in Weinfelden verbringen. Ziel und Sinn der Liturgie, verschiedene Formen, den Ablauf der Messfeier sind einige der Themen. Wir unterhalten uns auch über die Einsatzmöglichkeiten als Vorsängerin oder Vorsänger, wo wir stehen und sitzen sollen, wie wir uns kleiden sollen.

Als Abschluss sind wir zum Treffen Kirchenmusik C an der Hochschule Luzern Musik eingeladen. Am Nachmittag proben wir eine noch unveröffentlichte deutsche Gottesdienstmusik von Paul Inwood für Chor, Kantorin, Orgel, Priester und Gemeinde. Um 17.30 Uhr gestalten wir mit dieser Musik den Gottesdienst in der Jesuitenkirche mit.

Auf der Rückfahrt in den Thurgau interviewe ich die Kursteilnehmer nochmals und frage, ob wir das Kursangebot in dieser Form wiederholen sollen. Die Antwort ist ein klares JA, was mich natürlich sehr freut.

Frauenfeld, 11. Mai 2010
Béa Mory