Bericht zum Kurs vom 2. Oktober 2010 in Arbon

Mit einem hochinteressanten Vortrag empfing uns Christoph Hönerlage, Freiburg i.B. am Samstag morgen im katholischen Pfarreizentrum in Arbon. Neben Kursteilnehmern aus den Thurgauer Kirchenchören und deren ChorleiterInnen waren auch die Sängerinnen und Sänger der Arboner Schola (Leitung: Dieter Hubov) anwesend. Wie die Mönche in den ersten tausend Jahren unserer Kirchengeschichte alle Gesänge und Texte nach Gehör aus der Ueberlieferung lernten, wurden wir mit Tonfolgen in Kirchentonarten, Neumen und lateinischen Texten konfrontiert. Für die evangelischen KursbesucherInnen war das ein ganz neues Gebiet. Wer gewohnt ist, in bekannter Sprache nach Noten (in moderner Notation mit fünf Notenlinien) zu singen, hatte mit diesen fremden Klängen seine liebe Mühe. Vor dem gemeinsamen Mittagessen sangen und beteten wir in der Kapelle die Sext. Immerhin waren die Psalmen in deutscher Sprache und dank dem Einsatz der Schola kamen wir recht gut über die Runden! Am Nachmittag wurden die Gesänge für eine Messfeier vorbereitet. Der Introitus zum 27. Sonntag im Jahreskreis stellte die Kursteilnehmer vor grosse Schwierigkeiten. Es wurde klar, dass die gregorianischen Gesänge, gerade weil sie einstimmig gesungen werden, sehr anspruchsvoll sind. Die Motive sind klassisch ausgerichteten SängerInnen nicht geläufig, die Notation ist ungewohnt, die Phrasierung des Textes einer Sprache, die man nicht versteht, nicht nachvollziehbar. Christoph Hönerlage liess sich nicht beirren. Einige KursteilnehmerInnen setzten sich vorzeitig ab, die andern bissen sich tapfer durch. Die Reaktionen auf dieses Kursangebot waren sehr unterschiedlich. Von Begeisterung bis zur totalen Frustration war alles zu hören. Mir persönlich hat die engagierte und differenzierte Arbeitsweise des Dozenten sehr gut gefallen. Meine Kenntnisse vom gregorianischen Chorals wurden einmal mehr differenziert, aufgefrischt und bestätigt - ich habe noch Pater Roman Bannwart im Ohr, wir sollen nicht einfach nach Noten singen, sondern Musik machen, das hat Christoph Hönerlage wunderbar umgesetzt. Ich habe aber auch Impulse für meine Arbeit mit dem Chor erhalten: die rhythmische Lebendigkeit der Tonfolgen, die je nach Text verändert wird; die totale Unterordnung der Musik unter das Wort, ohne dass dabei die Musik verloren geht; die Leichtigkeit der Artikulation etc. Gregorianische Gesänge stammen aus der frühen abendländischen Kirche. Sie sind die Basis von vielen Kirchenliedern, die heute noch gesungen werden. Diese Spurensuche wird Thema eines nächsten Kurses mit Dieter Hubov, Arbon sein.

Béa Mory, KKVT