Kurs vom 22.1.2011 in Bettwiesen

Genaues Hinhören, sich Zeit nehmen, wiederholen, nochmals hören, auf die Winke des Chorleiters achten, nicht in die Noten schauen.... Mit viel Geduld gingen wir mit Christian Döhring auf Spurensuche. Wer hat schon gemerkt, dass "der Himmel freue sich..." bei KG 359 fast identisch ist mit der Antiphon "rorate caeli" (Carus 19.007) und wer kennt das Kyrie "orbis factor", das die Grundlage ist zum Refrain des Liedes "Holz auf Jesu Schulter" KG 393 (RG 451) und im Film "Der Name der Rose" vorkommt. Lieder aus dem KG und dem RG und einige wenige gregorianische Melodien in Quadratnotation (sie hatten auf einem A4-Blatt platz) sangen wir an diesem Nachmittag.

Der Katholische Kirchenmusikverband Thurgau (KKVT) und der Verband evangelischer Kirchenchöre im Thurgau (VEKT) haben gemeinsam zu diesem Kurs eingeladen. 35 Leute waren nach Bettwiesen/TG gekommen: Sängerinnen und Sänger aus katholischen und evangelischen Kirchenchören, Chorleiter/innen und zwei Patres aus dem Kloster Fischingen. Zum Abschluss des Nachmittags sangen wir gemeinsam eine Vesper: ein altes Weihnachtslied aus dem KG, ein Psalmlied aus dem RG, aus dem KG ein Psalm auf dem VI. Ton mit Leitvers, das Canticum aus dem KG und dazu als Antwort ein gregorianischer Halleluja-Ruf... - dann das erste Lied im RG, das Magnificat, das gemeinsame Vater unser / Unser Vater KG 33 (RG 286) und nach dem Segen die gregorianische Antiphon "alma redemptoris mater".

Das gemeinsame Singen, der Wechsel von bekantem Kirchenlied und ungewohnter Gregorianik, der Austausch mit anderen Sängerinnen und Sängern beglückte die Leute. Bei Kaffee und Kuchen - serviert vom Kirchenchor Bettwiesen - wurde nach der Vesper noch diskutiert, nachgefragt oder auch einfach gemütlich zusammengesessen. Zwei Stunden sind viel zu kurz um die urspünglichen reich verzierten gregorianischen Gesänge zu lernen! Aber bei Vielen hat das Hineinschnuppern die Neugier geweckt und vielleicht wird man bei der einen oder anderen Melodie eines Kirchenliedes, die Stolperstellen drin hat (das ist oft ein Zeichen, dass es eine alte Melodie ist - C.D.), an diesen Nachmittag zurückdenken.

Béa Mory